Mecklenburg-Vorpommern / Unterwegs

Der Monat April im Coronajahr 2020

Was für ein seltsames Jahr. Aufträge fallen weg. Die Tourneen von In Extremo und den Böhsen Onkelz werden verschoben. Meine Freunde von Heaven Shall Burn landen auf Platz Eins der deutschen Album Charts, aber stehen auch plötzlich ohne Konzerte da.

Ich erlebe die Insel Rügen zum ersten Mal in meinem Leben ohne Touristen. Für jemand, der nicht grundsätzlich etwas gegen Tourismus bzw. Touristen hat, es aber trotz dessen kritisch sieht, wie immer noch Ferienhäuser entstehen und die Versiegelung der Insel weiter voranschreitet, waren es spannende Wochen. Wenn sich dann noch ein Hochdruckgebiet festsetzt über Nordeuropa, schreit es förmlich danach, die Tage nur draußen in der Natur zu verbringen. Das habe ich dann auch getan und meine Wege führten mich von den leeren Stränden Wittows zum alten Heringsumschlagplatz Vitt. Von den mit Anemonen überzogenen Wäldern Jasmunds zu den Gutshäusern und Kirchen Muttlands.

Vom Lieper Winkel (dem wohl schönsten Flecken Usedoms) zum menschenleeren Strand des Kaiserbades Ahlbeck. Der Geruch vom blühenden Bärlauch, die leuchtenden Farben des Raps, waren stets ein treue Begleiter, ebenso wie das Glück. Ich stand sowohl vor dem ältesten Glockenensemble in Vorpommern, als auch unter den Sternen, auf dem Tempelberg in der Granitz. Mecklenburg-Vorpommern ist immer noch reich an Geschichten und Kultur, auch wenn vieles seit Jahren in einem Dämmerschlaf liegt, umhüllt vom Nebel der Moderne. Wer sich auf den Weg macht mit Neugier und Entdeckerlust, der wird auch belohnt. Vielleicht machen die folgenden Fotos ja etwas Lust darauf. Viel Spaß beim Stöbern.

Heimatlieder

Die einmal sie gesungen, haben
die Hände in den Schoß gelegt.
Und sind gestorben und begraben.
Und Wind die Gräberlinden fegt.

Lang ist das hin. Nur in den Liedern
verwahrt sich ihrer Stimme Rest.
Und wer die fragt, dem wird erwidern
ein Klaglaut, der das Herz ihm preßt.

Johannes Bobrowski

Keine Kommentare

    Hinterlasse einen Kommentar