Lassan und der Lassaner Winkel — die kleinste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns am Achterwasser. Verschlafen. Stille. Ruhe. Ein paar Segelboote im Hafen, wo am Ufer noch die alten Hallen der Werft Menge stehen — zuletzt in den Neunzigern in Betrieb, heute Hobby und Erinnerung. Alte Hausfassaden, frisch renoviert, Schwalbennester. Und die Haustüren — jede anders, keine wie die andere. Einst lebten hier Fischer, Tischler, Ackerbürger, hinter den Häusern Werkstätten und Scheunen, kleine Innenhöfe, gewerbliches Leben. Die Stadtmauer mit ihrem großen Bruder St. Johannis zu Lassan, seit dem 13. Jahrhundert über dem Ort. Die ehemalige Milchverteilstelle und der Drogenhandel. Die zwei konkurrierenden Edekas am Marktplatz. Die kleine Bibliothek. Die Cafés und der Gasthof. Der grüne Friedhof. Der ehemalige Bahnhof — letzter Rest der Anklam-Lassaner Kleinbahn, deren Gleise 1945 als Reparation abgebaut wurden. Die alte HO-Kaufhalle. Die Fischereiproduktionsgenossenschaft „Peenestrom“ am Ortsausgang. Der Schriftzug noch da. Die Fischer längst weg. Wandernde Pilger auf Kopfsteinpflaster. Alles umrahmt von einem blauen Kornblumenmeer. Irgendwann zum Juli-Anfang.
1274 bekam dieser Ort das Stadtrecht. Irgendwo hier, zwischen 1430 und 1440, wurde Bernt Notke geboren — Maler, Bildhauer, einer der großen Meister der Spätgotik, dessen Werke sich bis nach Stockholm, Aarhus und Lübeck verstreuten. Lassan weiß das. Es macht kein Aufhebens davon. Die Nachbarstädte Wolgast, Greifswald und Stralsund hatten es im Mittelalter so gewollt: Lassan sollte sich an Hausnahrung und Feldbau begnügen. Eine Ackerbürgerstadt eben.
Zu DDR-Zeiten galt die Stadt als Schlafstadt. Wer in der Peenewerft in Wolgast arbeitete, wohnte oft hier. Morgens raus, abends heim. Was blieb, ist eine gewisse stille Schwere. Keine Eitelkeit. 2008 suchte Rosenstolz für ihr Video zu „Gib mir Sonne“ eine Kulisse im DDR-Stil — und fand sie in Lassan. Barkas und Trabis wurden extra an den Straßenrand gestellt. Der Ort musste dafür kaum verändert werden.
„Am Peenestrom, am Peenstrom, da liegt ein Wrack aus Holz und Stein,
„Ballade von der alten Stadt Lassan“ – Wolf Biermann
seit fünfmal hundert gleichen Jahrn, die alte Stadt Lassan.
Die Stadt liegt da auf Grund und träumt, und kommt nie los und wird nie flott,
und möcht gern auf die Ostsee fahrn, die alte Stadt Lassan.“

































































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