Frühsommer auf dem Mönchgut. Die Pommernschafe stehen verteilt in der Landschaft, die Luft steht still, die Aussicht ist klar und weit. Die Insel Oie liegt zum Greifen nah. Und weit draußen, jenseits von Usedom, über dem Horizont der Ostsee, ragen die Höhenzüge der Insel Wollin in den Himmel. Pommern, das Land am Meer. Der Blick reicht weit nach Osten. Er reicht immer ein Stück zu weit. Manches endet nicht, es hört nur auf zu gelten.
Die Schafe von Frank und Christian Westphal, den Schäfern vom Mönchgut, sind an diesen Tagen aufgeteilt. Ein kleiner Tross grast um die Grundschule herum. Der größere Teil steht auf dem Zicker Land, am Ende der Gagerschen Höhen, kurz vor dem Lindal. Im April lagen die Wiesen noch kahl, die Kälte hatte sie zurückgehalten. Jetzt sind sie üppig und grün, und das Rauhwollige Pommersche Landschaf findet reichlich, was es braucht. Es frisst ruhig, es bewegt sich langsam, es kennt keine Eile. Das Rauhwollige Pommersche Landschaf trägt Pommern im Namen und in den Knochen. Eine alte Rasse, die diese Küste kennt wie die Schäfer, die sie hüten – Frank und Christian Westphal, sechste Generation auf dem Mönchgut. Die Schafe halten die Wiesen offen, so wie es immer war, so wie es vielleicht immer sein wird. Das Land vergisst hier langsamer als die Menschen.
Von Greifswald her zieht der Himmel zu. Licht und Schatten wandern über den Bodden, eines nach dem anderen, ohne Eile. Vor der Insel Vilm glänzt das Wasser für einen Augenblick gleißend hell, dann schiebt sich die nächste Wolke darüber. Die Ziegen strecken sich empor und zupfen das frische Grün der Eichen. Die Luft riecht nach Gras und nach Salz, nach dem Bodden und nach dem, was dahinter liegt. Inmitten der Herde hört das Denken auf. Der innere Monolog verstummt. Die Stille der Landschaft senkt sich in einen hinein, unmerklich, wie der Abend kommt. Hier hat Pommern einen seiner schönsten Orte. Hier ist Pommern noch lebendig.























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