Wenn man sich aus Richtung Norden oder aus Richtung Süden Berlin nähert, dann gibt es da diese unsichtbare Linie. Der Boden wird sandiger, die Anzahl der Kiefern nimmt zu. So eine unsichtbare Linie findet sich auch bei Dessau. Man weiß, dass man sich Berlin nähert, auch wenn Berlin noch weit weg scheint. Hier also, wo der Boden wieder sandiger ist, liegt zwischen Autobahn und der Stadt aus Eisen ein besonderer Ort. Früher eine Heeresmunitionsanstalt, später dann eine GSSD-Garnison. Hier wurden einst Chemiewaffen produziert, nach dem Krieg wurde hier die Munition aus der Ostzone gesammelt und in Güterzügen nach Wolgast transportiert, um sie dann unter anderem vor Bornholm in der Ostsee zu versenken, wo sie noch heute liegt.
Später entstand direkt neben der Garnison ein Werk, wo im Auftrag der DDR Landminen und Selbstschussanlagen hergestellt wurden. Beides Waffensysteme, die an der innerdeutschen Grenze eingesetzt wurden. Seit Herbst 1992 herrscht auf dem Gelände wieder die Ruhe, die man so oft im ländlichen Osten findet. Die Kiefern ragen in den blauen Himmel. Die Abendsonne durchflutet das Gelände. Wie mag es hier zugegangen sein? In der Kantine, in der Offiziersmesse, in den Offizierswohnungen? Was ist aus den Kindern geworden, die hier groß geworden sind, inmitten des Militärs? Wie sah der Alltag aus in den Lagergebäuden und Werkstätten?
Heute überwuchern die Kiefern langsam den alten Zweck dieses Ortes. Doch in den Gebäuden, in den Wegen und Gleisen und unter den Kronen der Kiefern liegt noch immer etwas von der Schwere der Jahrzehnte.















































Keine Kommentare