22. und 23. Juni 2018. Leipzig — eine Stadt, die Geschichte aufschichtet wie Sedimentgestein. Die Thomaskirche, in der Bach seine Kantaten schrieb. Das Völkerschlachtdenkmal, dieser graue Klotz am Stadtrand, errichtet 1913 zur Erinnerung an die größte Schlacht der Napoleonischen Kriege, schwerblütig und unerbittlich wie das, woran er erinnert. Und dann, nördlich der Innenstadt, eingeklemmt zwischen Autobahn und Flugplatz: die Neue Messe, jene futuristische Glashalle aus den Neunzigern, die Leipzig nach der Wende wieder auf die Landkarte bringen sollte. Davor: eine große Wiese. Darauf: das Matapaloz.
Das Festival der Böhsen Onkelz, zum ersten Mal in Leipzig, zum zweiten Mal überhaupt. Ein eigenwilliges Konzept — die Band als Gastgeber, die Bühne als Wohnzimmer, das Lineup als Liebeserklärung an die eigene Musikgeschichte. Megadeth, Arch Enemy, In Extremo, D-A-D, Rose Tattoo, Toxpack, Haudegen. Zwei Tage, eine Hauptbühne, kein Rummel. Und irgendwo im El Barrio, dem Biergarten zwischen den Campingflächen, tauchten die Onkelz selbst unter dem Namen Los Tioz auf — unangekündigt, mit Klassikern, die man lange nicht gehört hatte. Ein paar tausend Menschen vor der Bühne, pogend und moshend wie in den Neunzigern. Als hätte die Zeit zwanzig Jahre übersprungen. Irre schön das zu sehen. Regenschauer, Sonne und viel Wind. Eine Menge bekannter Gesichter, freundliche Gespräche, herzliche Umarmungen. Krönender Abschluss beider Tage: eine Band, die nicht jeder liebt und an der sich auch heute noch die Geister scheiden. Vielleicht ist es gut so wie es ist.
„Der Traum beschreibt die Träume nicht / Die Träume die ich habe / Die leisen Zweifel an der Wirklichkeit / Ich träum‘, obwohl ich gar nicht schlafe.“
Tag E.I.N.S


















Tag Z.W.E.I














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