Immer wieder trüb und grau. Hochnebel über Rügen, nur wenige Sonnenstunden. So sieht das Wetter seit Tagen aus. Abschiede liegen in der Luft. Menschen werden aufbrechen. Umso schöner ist die Erinnerung an den vergangenen Dezember, als der Winter für ein paar Tage an der Ostseeküste einzog. Schnee lag auf den Bäumen, die Luft war kalt und klar, die Sonne stand tief und tauchte alles in ein fast unwirkliches Licht. An einem dieser Tage war ich an der Kreideküste im Nationalpark Jasmund unterwegs. Schneeschauer trieben über die Ostsee. Nur wenige Wanderer waren auf dem Hochuferweg. Unten lag das Wasser still und schwer, blau, grün, silbern, je nachdem, wie die Wolken zogen.
Ein LNG-Tanker stand dunkel vor Rügen. Weiter draußen schnitten die Windkraftanlagen den Horizont. Sie nehmen dem Meer etwas von seinem alten Versprechen, dem Traum vom endlosen Blick. Und doch war da diese Weite. Dieses Licht. Dieses kurze Aufreißen des Himmels zwischen Schnee, Wasser und Wald. Die MS Binz tuckerte gemächlich vom Königsstuhl zurück in Richtung Sassnitzer Hafen. Für einen Moment wirkte alles klein vor dieser Küste: Schiff, Mensch, Spur, Atem. Die Buchen standen weiß am Abhang, das Meer lag ruhig darunter, und aus den Wolken fiel Licht, als käme es nur für diesen einen Augenblick. Solche Momente sind so schön, dass man sie für immer einatmen möchte.















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