Feldnotizen – Nationalpark Jasmund im Herbst 2022

Der Wecker klingelt um 4.25 Uhr. Der Wald ist dunkel. Der Mond steht schon tief im Westen, nur auf einige wenige Lichtungen fällt sein Licht. Lediglich der Wind macht Geräusche, Bäume knarren, Baumkronen berühren sich, Stämme ächzen unter der Bewegung. Der Weg dorthin verlangt, dass man dem eigenen Schritt mehr vertraut als den Augen, denn zu sehen gibt es kaum etwas, nur Schemen, die sich aus dem Schwarz lösen und wieder darin verschwinden. Irgendwann dämmert es am Horizont. Die schöne Aussicht ist erreicht. Der Wind prallt mit voller Wucht aus Süd-Südost gegen das Kreidekliff, Staub und Blätter wirbeln durch die Luft. Schnell steigt die Sonne empor, so schnell, dass man darüber nachdenkt, wie schnell sich unser Planet eigentlich im Universum bewegt. Alles wird von der Sonne in orangenes, leuchtendes Licht gehüllt, und für einen Moment verliert die Landschaft jede Tiefe, wird zu einer einzigen, glühenden Fläche, in der Wald und Kliff und Meer ineinanderfließen. Erst wenn das Licht härter wird, treten die Konturen wieder hervor: die alten Buchen, die Kreide, die Wellen, die Ostsee, und immer wieder die Erkenntnis: Heimat ist ein Ort. Pommern.