Böhse Onkelz / Musik

Böhse Onkelz in Gelsenkirchen

Ein Samstag im September 2018. Sonnenschein, Bier und tausende schwarze T-Shirts im Herzen des Ruhrgebiets. Gelsenkirchen — eine merkwürdige Stadt. Eine Stadt, die Kohle war und dann nicht mehr. Die Zechen fort, die Arbeit fort, das Geld fort. Geblieben ist das Stadion, die Veltins-Arena, diese leere Betonhülle am Stadtrand, in der alle zwei Wochen Werbung, Currywurst und ein runder Lederball das Geschehen bestimmen. Davor stand das legendäre Parkstadion, davor ein Flugplatz. Gelsenkirchen schichtet seine Vergangenheiten übereinander wie Kohleflöze. Am Hauptbahnhof, diesem architektonischen Nichts aus den frühen achtziger Jahren, hängen noch zwei Reliefs vom Giebel des Vorgängerbaus: Flügelrad und Preußischer Adler, 1904, aus einer Zeit, als der Bahnhof als einer der schönsten in ganz Deutschland galt. Man hat sie gerettet. Den Bahnhof selbst hat man abgerissen. So geht das hier. Im Hotel, Blick auf die Arena, schlief man gut oder nicht. Der böhse Geist des Rock ’n‘ Roll hatte gerufen — zu einem Abend der Katharsis, zum letzten Tanz vor der Immanentisierung des Eschaton — jener Formel aus Robert Anton Wilsons „Illuminatus!“, die der Onkelz-Bassist kannte und die beschreibt, was passiert, wenn das Chaos in die geordnete Welt einbricht. An diesem Abend brach es ein.

„Sie haben die Gita nicht begriffen / Die Beletage hat dich beschissen / Wir haben den Teufel reingelassen / Nun sollen wir lieben, was wir hassen.“

Die Menge bewegte sich wie ein einziges Tier, schwarz, schwitzend, singend.

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