„Die Monotonie dieser Kulturlandschaft, die man beim Durchfahren auf Straßen- und Bahndämmen empfindet, schwindet sofort, wenn man sich, zu Fuß, den Details widmet: den kreisenden Bussarden unter dem weitem Himmel, den Koppelzäunen, an denen die Wege enden, dem hinter Büschen versteckten Tümpeln, den Binsen im Graben, der Viehtränke an einem vereinzelt stehenden Baum.„
aus „Mein Brandenburg“ von Günter de Bruyn
Günter de Bruyn hatte recht. Man kann durch Brandenburg fahren und ziemlich viel davon übersehen. Gerade Straßen, Kiefern, Felder, ein Dorf, das im Rückspiegel schon wieder verschwunden ist. Interessanter wird es meist dort, wo man die größere Straße verlässt.
Dieser Junitag 2020 begann auf Gut Boltenhof und endete dort auch wieder. Dazwischen fuhr ich ohne besonderes Programm durch Oberhavel und die Schorfheide, hielt an, wenn mir etwas auffiel, nahm kleinere Straßen und Wege, bei denen man manchmal erst hinterher weiß, wohin sie eigentlich geführt haben.
So kamen Burgwall und Vietmannsdorf dazu, die stillen Seen bei Groß Väter und Bebersee, Carinhall, von dem im Wald kaum mehr geblieben ist als einige Torbögen. Ein ruhiger Ort heute, Wasser und Bäume gleich nebenan, und doch nur wenige Kilometer entfernt die nächste große Hinterlassenschaft des vergangenen Jahrhunderts: Groß Dölln mit dem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz. Zwischen 1952 und 1956 entstand dort einer der größten Militärflugplätze der sowjetischen Luftstreitkräfte in Europa; die letzten russischen Truppen verließen das Gelände 1994.
Irgendwann stand am Straßenrand das Schild Deutschboden. Der Name war längst Literatur geworden. Moritz von Uslar hatte sich Zehdenick und seine Umgebung für seine „teilnehmende Beobachtung“ ausgesucht, später kam der Film dazu. Man muss Zehdenick nur ein wenig abseits der sanierten Stellen ansehen, um zu verstehen, weshalb diese Stadt für ein solches Buch funktionieren konnte. Sie hat etwas Eigenes, stellenweise etwas Abgerücktes, als liefen dort mehrere Zeiten nebeneinander her.
Und immer wieder Ziegel. Häuser, Scheunen, Mauern, alte Wirtschaftsgebäude, in Zehdenick schließlich eine ganze Gegend, deren Geschichte ohne den Ton und den Brand dieses Materials kaum zu erzählen wäre. Dazwischen märkischer Sand, Wasser, Kiefern, Alleen und dieser große Himmel, der auf den Fotos manchmal mehr Platz beansprucht als alles andere.
Es war der erste Corona-Sommer. Vielleicht fuhr man damals ohnehin aufmerksamer durch solche Gegenden, weil vieles andere ausfiel. Ich weiß nur noch, dass ich an diesem Tag ungewöhnlich oft anhielt.
Am Abend war ich wieder auf Gut Boltenhof. Dieser Ort hat eine eigene Ruhe, die sich nur schwer beschreiben lässt. Vielleicht liegt es an den Menschen, die ihn geprägt haben und bis heute prägen, vielleicht an der Abgeschiedenheit, den alten Gebäuden, den Bäumen. Für mich war Boltenhof jedenfalls immer ein Ort, an dem die große Welt sehr weit weg rückt.


















































