Neben der B105, die Stralsund und Greifswald verbindet — und auf der gefahren wird, als wäre man im Rückstand —, liegt einer der seltsamsten Orte der deutschen Wissenschaftsgeschichte. Die Insel Riems. Gesperrt, bewacht, unerreichbar für Normalsterbliche. Hier steht die älteste virologische Forschungsstätte der Welt. Friedrich Loeffler, Ordinarius in Greifswald, hatte 1898 die Viren entdeckt — und dabei versehentlich eine ganze Region mit Maul- und Klauenseuche infiziert. Die Konsequenz: raus auf die Insel, weg vom Festland. 1910 zog das Institut auf den Riems. Bis 1971 verband eine Seilbahn die Insel mit dem Festland — für Material, Vieh, und Menschen in einer kleinen Gondel, die alle nur „die Tonne“ nannten. Dann kam der Damm. Zwei Betonfundamente im Wasser erinnern noch an die Seilbahn. Die Insel forscht und publiziert — seit über hundert Jahren.
Wer genau hinschaut, entdeckt kurz vor der Insel noch Riemserort — eine Kleinhaussiedlung, zwischen 1953 und 1968 für die Institutsmitarbeiter gebaut. Auch sie gehörte zum Sperrgebiet. Als Ausgleich: geschwungene Straßen durch Kiefern und Dünen, Gartengrundstücke, ein Landwarenhaus mit Gaststätte und Friseur. Organischer Städtebau mitten im frühen DDR-Alltag. Seit 1994 steht die Siedlung unter Denkmalschutz. Ich habe sie mir damals lange angeschaut. Es ist wirklich schön dort — ruhig, durchdacht, menschlich. Eine Siedlung, die beweist, dass auch in der DDR gut geplant und gebaut werden konnte, wenn man es wollte. Eigentlich müsste sie jeder Lokalpolitiker in Mecklenburg-Vorpommern kennen, der über Stadtentwicklung und Wohnen nachdenkt. Tun sie aber vermutlich nicht. Wer mehr erfahren möchte: Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hat einen ausführlichen Artikel dazu veröffentlicht.
Da die Insel selbst verschlossen bleibt, lohnt sich der Abstecher nach Gristow. Der Name bedeutet „Ort der Taufe“ — der Taufstein datiert auf um 1250, die Kirche selbst wurde ab 1280 gebaut. Einmal besaß sie einen gotischen Flügelaltar mit 40 vergoldeten Figuren. 1976 sperrte man sie wegen Einsturzgefahr. Bürger sammelten Unterschriften, die Politik kam schließlich doch. 1996 läuteten die Glocken zum ersten Mal wieder nach zwanzig Jahren. Das Pfarrhaus daneben brannte 1765 durch Blitzschlag ab. Auf dem alten Friedhof um die Kirche stehen Grabsteine, auf denen vermerkt ist, woran die Menschen gestorben sind. Lesenswert. Gegen eine kleine Spende darf man den Turm besteigen — 141 Stufen, dann Blick über den Greifswalder Bodden: die Kirchturmspitzen von Greifswald, die Inseln Oie und Ruden, bei gutem Wetter bis Rügen. Und hinüber zur Insel Riems. Einer der markanten Punkte, von dem aus man Pommern als Landschaft wirklich begreift.
Wer danach Hunger hat: „De Fischer un sin Fru“ am Hafen. Seit fünf Generationen in Familienhand.









































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