Dem Wasser nach

Der Tollensesee ist ein herber See. An manchen Tagen liegt er dunkel vor Neubrandenburg, darüber ein Himmel, der mehr nach Küste aussieht als nach Binnenland. Die Bootsschuppen stehen dicht am Ufer, Stege führen hinaus, und schon wenige Schritte vom Wasser entfernt scheint die Stadt weit weg.

Weiter nördlich taucht das Wasser wieder auf. In Demmin stehen die großen Speicher an der Peene, in Jarmen Backstein, Mühle und Silos. Man sieht diesen Orten noch an, dass der Fluss einmal mehr war als Landschaft. Er war Arbeitsweg, Transportweg, Lebensader.

Je weiter man nach Osten kommt, desto flacher wird das Land. Schilf, Sand, kleine Wege, niedrige Ufer. Auf Usedom ist das Meer nie weit, aber manchmal interessieren mich die stilleren Wasser fast mehr als die Ostsee selbst.

Vielleicht gehören Mecklenburg und Pommern überhaupt zu jenen Gegenden, die man vom Wasser her besser versteht. Seen, Flüsse, Bodden und Peenestrom ziehen ihre eigenen Linien durch das Land. Man muss ihnen nur eine Weile folgen.