Mönchguter Zwischenzeit

Über den Hügeln von Groß Zicker liegt das Licht dieser späten Nachmittagsstunde schwer im trockenen Gras, ein Gold, das sich zwischen die Halme legt und dort bleibt, während die ersten Wolkenbänder über der Bucht schon dunkler werden. Die Schafe ziehen in loser Ordnung über den Hang, die schwarzen Köpfe abgesetzt gegen das helle Vlies, einige längst zur Rast niedergesunken, das Fell so dicht verfilzt, dass man den einzelnen Locken kaum noch ansieht, wie viele Monate Wind und Regen darin stecken. Über der Bucht bricht sich das Licht in einzelnen, schrägen Strahlen durch die tiefhängenden Wolken, und man sieht, wie sich unter ihnen das Wasser für Sekunden aufhellt, um gleich wieder in sein gewohntes Grau zurückzufallen. Am Wegrand hängen die Schlehen schwer und blauschwarz an den dornigen Zweigen, noch zu herb zum Pflücken, ein Warten auf den ersten Frost. Und wenn schließlich die Kiefernstämme im Unterholz das letzte Licht auffangen, jeder Stamm für sich in warmem Rotbraun, bleibt außer dem Rupfen der Schafe im Gras nur noch der Bodden, kaum sichtbar zwischen den Bäumen, der sich mit der immer gleichen, unbeirrten Bewegung an sein Ufer schiebt.