Larrikins – Nichts ist jemals sicher

Ein Album der Larrikins mit dem Titel „Nichts ist jemals sicher“ verlangt eigentlich nach Orten, die das Gegenteil behaupten. In Altentreptow fotografierte ich die Larrikins rund um die alte Kirche. Stein, Mauern, ein Bauwerk, das schon dort stand, als keiner von uns gedacht war und vermutlich auch noch dort stehen wird, wenn unsere Namen längst niemandem mehr etwas sagen. Ein paar Kilometer weiter, in Neubrandenburg, standen wir auf dem Datzeberg zwischen den Plattenbauten. Auch sie wurden einmal für eine Zukunft gebaut. Inzwischen ist diese Zukunft selbst Geschichte geworden, und man sieht den Häusern die vergangenen Jahrzehnte an.

Später fotografierten wir am Tollensesee. Dort gab es keine Mauern und Fassaden mehr, nur Wasser, Ufer und Himmel. Der See verändert sich mit Licht, Wind und Jahreszeit und ist doch wahrscheinlich das Beständigste von allem, was auf diesen Bildern zu sehen ist.

Ich mochte diese Orte für die Promofotos. Nicht, weil man sie unbedingt als Mecklenburg erkennen sollte, und auch nicht, weil wir mit ihnen eine Botschaft illustrieren wollten. Aber es macht einen Unterschied, ob vier Männer vor einer neutralen Wand stehen oder an Orten, die selbst schon einiges hinter sich haben.

Auch ein Bandfoto ist eine merkwürdige Sache. Es hält vier Menschen in einem bestimmten Augenblick fest und gibt ihnen für dieses eine Bild eine Form. Dabei weiß man beim Fotografieren, wie wenig davon Bestand hat. Ein Gesicht verändert sich mit einem Gedanken, eine Haltung mit einem Schritt. Menschen werden älter, Freundschaften verändern sich, und auch eine Band, die zwanzig Jahre denselben Namen trägt, ist nach zwanzig Jahren nicht mehr dieselbe.

Vielleicht mochte ich deshalb den Titel der Platte von Anfang an. Nicht als düstere Feststellung. Eher als eine ziemlich nüchterne Beschreibung der Dinge.

Später bekam Conny Ochs die Fotos für das Artwork. Conny ist ein Freund von mir; er zeichnete, setzte Schriften und Flächen und gestaltete das gesamte Layout der Platte. Meine Fotografien fanden darin ihren Platz. Ich mag diesen Moment, wenn Bilder, die ich zunächst allein vor mir gesehen habe, Teil der Arbeit eines anderen werden. Conny ließ sie, was sie waren, und trotzdem sah ich sie im fertigen Layout noch einmal anders.

Dann kam die Releaseparty.

Bis dahin hatte die Platte aus Aufnahmen, Dateien, Zeichnungen, Entscheidungen, Gesprächen und wahrscheinlich einigen verworfenen Ideen bestanden. Nun lag sie fertig in den Händen anderer Menschen. Dieser Augenblick ist bei Veröffentlichungen eigenartig. Solange an einer Platte gearbeitet wird, lässt sich noch etwas ändern: ein Wort, eine Reihenfolge, ein Bild, eine Linie. Irgendwann wird produziert. Danach ist Schluss.

Ausgerechnet bei einer Platte namens „Nichts ist jemals sicher“ hat das etwas sehr Endgültiges.

Am Abend war von dieser Endgültigkeit allerdings wenig zu spüren. Die Platte lag auf dem Tisch, wurde herumgereicht, angesehen, aufgeklappt und wieder hingelegt, während ringsherum alles in Bewegung blieb. Menschen kamen und gingen, Gespräche liefen ineinander, irgendwo wurde gelacht, jemand hielt das Cover in der Hand, während neben ihm längst etwas anderes passierte.

Ich fotografierte Gesichter, Hände, kleine Gruppen, diese kurzen Momente zwischen zwei Gesprächen. Nicht jeder bemerkte die Kamera, und wenn doch, war sie nach einer Weile wieder vergessen.

Irgendwann war die Kamera nur noch mit im Raum.