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Mecklenburg Vorpommern

Alt-Sassnitz

19. April 2018

Es dürfte kaum einen vergleichbaren Ort in der südlichen Ostsee geben, wie dieses Kleinod am Ende oder Anfang (je nach Betrachtungsweise) von Sassnitz. Idyllisch in einem kleinen Tal gelegen, geformt vom Steinbach, der irgendwo in der tiefen, dunklen Stubnitz entspringt. Hier kann man durch kleine, verwinkelte Gassen streifen. Mit jeder Treppe, mit jeder Wendung des Blicks etwas Neues entdecken. Man schaut über die Dächer auf das tiefe Blau der Ostsee, veredelt von einem einzigartigen Licht, wie es auf Rügen seines gleichen sucht. In der Ferne gleiten weiße Fähren über die Ostsee, Segelboote durchpflügen die sanfte Dünung. Zu den Füßen von Alt-Sassnitz steht ein sonderbar anmutender Bau. Die Kurmuschel von Sassnitz. Hier hat sich Ulrich Müther aus dem benachbarten Binz mit einer Jahrhundertkonstruktion verewigt. So schlicht und elegant und um Längen beeindruckender, als die brutale Naziarchitektur in Prora.

Alt-Sassnitz bedeutet auch weiße Villen, Bäderarchitektur, dort wo früher einfache Fischerkaten standen. Die Reste der alten Sassnitzer Druckerei trotzen noch der neuen Zeit, die alte Bäckerei ist verschwunden. Viele der Villen sind mit großer Liebe restauriert worden und nicht nur von außen wahre Einode. Hier und dort schimmert aber auch Beliebigkeit durch, meistens immer dort, wo die Häuser 10 Monate im Jahr leer stehen und still und stumm auf Ferienbesuch warten. Alt-Sassnitz sind aber auch seine Bewohner, die Brasserie, die mit ihrer Küche punktet, die Silberschmiede, die Künstlerin, der Bernsteinladen, dem vielleicht schönsten Café der Bäckerei Peters, direkt an der Promenade und Dahlmanns Bazar mit der schönsten Buchauswahl auf der Insel Rügen und den besten Kaffees und Schokoladen. Im Bazar finden auch mit schöner Regelmäßigkeit Lesungen statt, hier stranden Künstlerseelen am Tresen und Menschen deren Lebensgeschichte Romane füllen könnte. Und hier sitzen des öfteren die guten Seelen des Tals zusammen und hecken neue Ideen aus. Einmal im Jahr findet im Herzen des Tals das Vollmond Fest statt. Ein Fest, von Einwohnern, für Einwohner. Hier redet keine Kurdirektorin ins Programm, hier spielt kein Helene Fischer Double, ertönt keine Diskomusik. Zwischen Theater, Lesungen und musikalischen Barden, treffen sich hier junge und alte Sassnitzer, Gäste und Freunde und ehren unseren oft unbeachteten Nachbarn, ohne den das Leben auf Erden nicht so wäre, wie es heute ist. Hoffentlich schätzen die Alt-Sassnitzer noch lange diesen, von den großen Reiseführern Gott sei dank bisher sträflich vernachlässigten, Ort noch lange. Er ist eine gute Heimat.

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